Königstiger im SMM Full-Reuenthal

 

2019 2020 Wintersaison und Sommersaison 2020

Arbeiten am Turm und an der Elektrik

 

Aufgrund der ausserordentlichen Zustände in diesem Jahr haben wir die beiden Saison-Updates zusammengelegt.

 

Ein Schwerpunkt, im wahrsten Sinne des Wortes, betraf die Arbeiten zur Montage des Turms mit Geschütz und Innereien.

 

Sowohl die Rohrwiege als auch das hintere Geschützteil mit Bodenstück haben wir durch die Ladeluke reingeschoben: Mit dem Kran soweit wie möglich von hinten in den Turm gehievt und von vorn mit einer Seilwinde über eine Holzbohlenrutsche durch die vordere Turmöffnung bzw. die Wiegenöffnung gezogen. Das Ganze dauerte zwar deutlich länger als das Schreiben dieser Zeilen, es verlief aber trotzdem ziemlich problemlos.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seinerzeit wurden die Teile wahrscheinlich unter den auf einem Gestell ruhenden Turm geschoben, angehoben und in die jeweilige Öffnung geschoben. Leider liess das unser nicht originales Turmgestell nicht zu.

 

Um die über 800 kg schwere Kugelblende so leicht wie möglich über die Rohrwiege zu führen, haben wir mit einem Flaschenzug gearbeitet, der eine genau horizontale Ausrichtung ermöglichte. Auf den Bildern nicht erkennbar ist, dass die Anzahl der Fotografen zeitweise die der Schaffenden deutlich überstieg: Nach einem vorausgegangenen Zeitungsbericht über unsere Arbeit ist ein Fernsehsender speziell auf unseren Uwe aufmerksam geworden und hatte die Gelegenheit genutzt, ihn für ein TV-Special direkt bei der Hobby-Arbeit zu filmen. Er war aufgrund seiner Statur auch der Einzige, der mit einem 20 kg-Hammer über Kopf die Blende über die letzten ca. 20 cm Millimeter für Millimeter voran treiben konnte.

 

Eine ebenso langwierige wie anspruchsvolle Arbeit innerhalb des Turms war die Reproduktion der Halterung des Turmzielfernrohres TZF, genauer gesagt des vorderen Stückes.

 

Ab April 1944 wurde das bislang im Königstiger benutzte Turmzielfernrohr TZF 9 b/1 durch das monokulare TZF 9 d ersetzt. Trotzdem wurde die Halterung, die zwei Öffnungen für das binokulare System hat, auch für das monokulare System weiter verwendet.

 

Das TZF ruht auf einem vor und zurück beweglichen Schlitten, der wiederum an einer mit der Rohrwiege verschraubten Halterung angebracht ist. Hinten wird das TZF von einem an der Turmdecke befestigten Stück gehalten. Alle Teile fehlten bei uns. Die grosse Halterung vorne und das Stück für hinten bekamen wir als Reproduktion eines Originals. Vom Schlitten existiert kein Bild und meines Wissens auch kein Originalteil.

Wir hatten eine technische Zeichnung, aber ohne Masse. Ausgehend davon haben wir ein Holzmodell angefertigt, dies immer mehr verfeinert und letztlich ein Metallteil angefertigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nur ein Detail bleibt unklar: das untere Handrad bedient laut Zeichnung einen Feststellmechanismus, dessen genaue Form der Zeichnung aber nicht zu entnehmen war. Wir haben überlegt, ob wir das Rad funktionslos lassen oder etwas improvisieren sollten. Letztlich haben wir improvisiert.

 

Das Ergebnis ist ein weiteres Meisterwerk von Björn.

 

Für die Rekonstruktion der Verkabelungen von Wanne und Turm existieren verschiedene Pläne. Die sind zwar nicht alle original vom Königstiger. Aber auch mit Plänen vom Panther und den Resten unserer Leitungen bzw. Bildern lässt sich das gesamte Leitungssystem gut rekonstruieren .

 

Das grössere Problem stellen die Stoffhüllen dar, in denen die meisten Kabel laufen. Sie werden auch als Bougierrohr bezeichnet und bestehen aus einem hellbeigen, leinen-ähnlichen Geflecht, das für die verschiedenen Kabelstränge in verschiedenen Durchmessern verwendet wurde. Die Hüllen wurden lackiert, wodurch die Hülle starr wurde, und im Turm danach in Turminnenfarbe lackiert. Heute werden für solche Ummantelungen Kunststoffgeflechte verwendet, dementsprechend waren originale Textilschläuche nicht mehr aufzutreiben.

 

Die Stränge in Textilschläuchen sind:

 

Der Kabelbaum mit 11 Leitungen vom Armaturenbrett neben dem Fahrer entlang des Wannenbodens bis hoch zum Brandschott.

 

Parallel dazu eine Leitung mit den beiden Kabeln zu den Magnetzündern.

 

Ein Strang ausgehend vom Kasten 5 c links am Rahmen der Arbeitsplattform, der an der Turmwand hoch bis zum Turmdach läuft.

Die Hüllen für diese Stränge haben wir aus einem optisch ähnlichen Stück Stoff angefertigt, indem wir einen entsprechenden Streifen geschnitten haben und längs zu einem Schlauch verklebt haben. Für die kleinen, kaum klebbaren Durchmesser haben wir Kunststoffschläuche genommen. Im Turm werden die sowieso überlackiert, sodass der Unterschied nicht auffällt.

 

 

Die Restaurierung der fünf Schaltkästen war etwas für Detailfanatiker.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kasten Pz. 5 c:   gesamte Stromversorgung des Turms

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kasten Pz. 21 und 22:   Interkom-Anschlüsse für Kommandant (21) und Richtschütze (22)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kasten Z 23:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kleines Schaltbrett:   Ladung und Heizung der Sammler über externe Stromquelle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kasten Pz. 20:   Zentraler Verteilerkasten des Interkom-Systems

 

Da das interne Kommunikationssystem über die originale Elektronik nicht mehr funktionieren wird, hat speziell Kasten Pz. 20 nur eine kosmetische Restauration erhalten. Die gilt im Grunde auch für die Verteilerkästen 20, 21 und Z 23, jedoch wäre deren Innenleben wieder einsatzbereit.

 

 

 

Beim Halterahmen für die Fahrer- und Funkerabdeckung waren weite Teile der inneren Dichtungseinfassung angegriffen bzw. weggerostet. Wir haben den inneren Rand CMC-rekonstruiert und neu angeschweisst. Die originale Dichtung ist zwar nicht mehr so elastisch wie früher, aber sie war noch wiederverwertbar.

 

 

 

Ein Highlight des letzten Jahres war der Besuch von Mike und Dave aus Santa Fé / New Mexico.

Viele Besucher unseres Museums, und besonders die Fans des Königstigers, haben den Tiger als Modell gebaut, jeder nach seinen Fähigkeiten mehr oder weniger gross und detailliert. Mike aber schiesst den Vogel ab mit einem Modell im Massstab ca. 1:2, fahrbar mit einem Benzinmotor und kampffähig für airsoft-Wettkämpfe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ok, nicht Alles ist im Massstab 1:2: So ist das Gewicht deutlich geringer mit ca. 2.5 Tonnen. Auch Motorleistung und Höchstgeschwindigkeit bleiben mit 24 PS aus 725 ccm und ca. 5mph etwas zurück.  Aber die Details muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

 

Die Gesamtlänge beträgt 3.64 Meter und die Turmhöhe 1.46 Meter.

 

Tankvolumen:  5 US-gallons.

 

Die Wanne besteht aus Stahl, der Turm incl. Kanone aus Aluminium.

 

Der Antrieb hat zurzeit nur einen Gang, es ist aber ein System mit 2 Gängen geplant, was neben einer höheren Geschwindigkeit auch eine verbesserte Kletterfähigkeit bringt.

 

Zieleinrichtung über Kamera mit 50-facher Vergrösserung auf einen Bildschirm mit getrennter Darstellung von MG und Kanone.

 

95 A Lichtmaschine mit zwei Batterien, Turmdrehung über einen 12-V-Motor.

 

Ein Umformer stellt 120 V für den Luftkompressor zum Abfeuern von MG und Kanone bereit.

 

Zwei Fahrkameras zur Sondierung des Terrains mit einem Bildschirm zwischen den Beinen des Fahrers.

 

Sowohl Kanone als auch MG schiessen mit Druckluft.

 

Die Kanone verschiesst Nerf-Raketen und hat eine Reichweite von ca. 140 Metern.

 

Das Fahrzeug hat eine Feuerlöscheinrichtung im Motorraum.

 

Das einzige Besatzungsmitglied ist Allrounder und schaut oben aus dem Turm heraus.

 

 

       Wir wünschen Mike allzeit gute Fahrt.

 

Impressum